Gestern habe ich Windows 2008 Enterprise Server auf mein Lapi installiert. Heute habe ich das Server OS insoweit verbogen, dass es sich wie ein Desktop Betriebssystem verhält. Über Sinn und Unsinn des Ganzen kann man unterschiedlicher Meinung sein. Kommt Windows7, wird das aller Voraussicht nach Geschichte sein, was hier beschrieben ist, aber solange Vista noch das “Standard” Produkt von M$ im Desktop Bereich ist, macht es imho Sinn (und Spaß). Aber der Reihe nach:
1. Benutzerkennung ändern. Windows nennt den immer “Windows User” oder so ähnlich.
HKEY_LOCAL_MACHINE -> SOFTWARE -> Microsoft -> Windows NT -> CurrentVersion aufgesucht und die Schlüssel RegisteredOwner sowie RegisteredOrganization angepast.
2. Neuen User anlegen
Am einfachsten über Ausführen –> control userpasswords2 zu erreichen. Der neue User nennt sich überraschenderweise “Daimos”
.
3. UAC abschalten
Ich weiß, dass es aus Sicherheitsgründen falsch ist, den eigenen User mit Adminrechten laufen zu lassen, ich tu es aus Bequemlichkeit trotzdem. Übrigens: Ich hatte noch nie einen Virus, also meckert ruhig weiter
.Dazu Systemsteuerung –> Benutzerkonten –> Benutzerkontensteuerung ein- oder auschalten. Interessanterweise will Win dazu neu starten, aber bitte. Immerhin nicht mehr “Sie wollen die Maus bewegen. Fortsetzen oder Abbrechen”.
4. Autologin anschalten
Damit ich nicht ewig mein Passwort eintippen muss, wenn die Kiste hochkommt, lasse ich das automatisch machen. Auch dazu ist Ausführen –> control userpasswords2 das mittel meiner Wahl. Dort beim gewünschten User einfach den Haken bei “Benutzer müssen Benutzernmen und Kennwort eingeben” entfernen. Schwupps kommt nen Dialog, in dem man einfach eingibt, wer sich default anmelden soll.
5. Strg Alt Entfernen beim Anschalten abschalten
Ein schöner Satz, nicht wahr? Dazu nach “Programme –> Verwaltung –> Lokale Sicherheitsrichtlinie” gehen und bei “Lokale Richtlinien –> Sicherheitsoptionen” den Punkt “Interaktive Anmeldung: Kein STRG+ ALT+ ENTF erforderlich” auf “Aktiviert” setzen.
Das Resultat der beiden letzten Punkte ist, dass das System beim Hochfahren immer den User “Daimos” automatisch anmeldet. Das ist unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit sicher falsch, aber es ist nun mal mein privates Lapi und da geht mir der Komfort nun mal vor. Macht es anders, wenn Ihr das als falsch erachtet
.
6. Shutdown Tracker abschalten
Immer wenn man das System runterfahren will, nervt der Shutdown Tracker. Das macht man über die Gruppenrichtlinien mit “Ausführen –> gpedit.msc”. Dort nach “Computerkonfiguration –> Administrative Vorlagen –> System” springen und “Ereignisprotokollierung beim Herunterfahren anzeigen” auf “Deaktiviert” setzen.
7. Sound anschalten
“Ausführen –> services.msc” bringt einen am schnellsten in die Diensteverwaltung. Den Sound schaltet man in “Windows Audio” an. Den Starttyp einfach auf “Automatisch” setzen, dann kommt immer netter Sound
Ich lausche “Amy McDonald –> This is the life” und erfreue mich an ihren niedlichen schottischen Akzent (der “life” ein wenig wie “loif” klingen lässt).
8. WLAN anschalten, Power Shell installieren, Aero vorbereiten & IE confen
Warum fasse ich das zusammen? Weil es (mehr oder weniger) an der selben Stelle gemacht wird. Da ich das Icon “Server Manager” in der Schnellstartleiste noch nicht entfernt habe, nutze ich es, um eben dahin zu gehen.
Mit dem Punkt “Verstärkte Sicherheitskonfiguration für den IE konfigurieren” konfiguriere ich den IE dahingehend, dass die Verstärkte Sicherheitskonfiguration sowohl für Administratoren als auch für User aus ist. Ein traumhafter Satz
Ab zu den “Features” etwas weiter unten: Die beiden Features “WLAN Dienst” und “Desktopdarstellung” bringen die WLAN Funktion und bereiten das Anschalten der Vista-artigen AERO-Oberfläche vor.
Die “Windows Power Shell” ist ein Feature, die die altbackene Kommandozeile “cmd” ersetzen und maßgeblich aufwerten will. Als Linux User bin ich ein Systemkonfiguation über Textdateien und die gute alte BASH gewohnt und gespannt auf die neue Power Shell. Dazu hier aber nichts weiter.
9. AERO einschalten
Über Sinn und Unsinn von Aero lässt sich vortrefflich streiten, aber wenn ich schon unter Windows meinen geliebten Compiz Würfel nicht haben kann, dann möchte ich wenigstens Aero haben. Immerhin ist die Festerdekoration an das “Bluecurve Theme” angelehnt, das ich das erste Mal vor 4 oder 5 Jahren bei Redhat Linux gesehen und sofort ins Herz geschlossen habe (Wer darin einen weiteren Seitenhieb auf M$ sieht, kann ihn behalten
).
Der Dienst (wie üblich unter “Ausführen –> services.msc” zu erreichen) nennt sich “Designs” und wird auf “Automatisch” gesetzt.
Die Sidebar könnte man jetzt auch noch installieren, die Pakete muss man aber separat runterladen, installieren und über “Ausführen –> usw” starten. Da die Sidebar aber immer das zweite ist, was ich bei Vista abschalte (das erste ist UAC), installiere ich sie gar nicht erst.
10. Performance Tuning
Noch handelt es sich um ein Server Betriebssystem mit dem Aussehen eines Desktop Systems. Das macht das System zwar nicht langsam, lässt es aber nicht so ansprechen, wie man es auf dem Desktop möchte.
“Ausführen –> regedt32″ bringt einen in die Registry. HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Control\Session Manager\Memory Management\PrefetchParameters ist der Ort, wo folgende 2 neue 64 bit DWORD Einträge erstellt werden:
- EnableSuperfetch
- EnablePrefetcher
Beide Einträge erhalten den Wert 3. Anschließend muss der Dienst “Superfetch” mit “Ausführen –> services.msc” auf “Automatisch” gesetzt werden. Wikipedia erklärt Superfetch sehr gut.
Als nächstes wird das System auf die Ausführung von Programmen hin optimiert. Ein Rechtsklick auf das Arbeitsplatz Icon –> Eigenschaften –> Erweiterte Systemeinstellungen –> Erweitert bringt einen dort hin. In den Systemeigenschaften kann man noch eine ganze Menge (wie virtuellen Speicher) ändern, aber einen gesteigerten Sinn sehe ich persönlich darin nicht.
ReadyBoost ist eine Überlegung, die ich durchaus anstelle. Das Lapi hat einen Slot für SD-Karten, warum nicht dort sagen wir 2 GB auf einer schnellen Karte einsetzen. Das ist aber jetzt nur so theoretisch angedacht, ich werd mir wohl ne 16 GB Karte holen, um für VMs I/O Last von der Platte zu nehmen.
11. Festplatte optimieren
Im Gerätemanager unter “Laufwerke” die Festplatte auswählen und “Schreibcache auf dem Datenträger aktivieren” anhaken (sollte per Default sein) und auch “Erhöhte Leistung aktivieren” anschalten. Damit wird der Festplattenzugriff stark gecacht, was die Performance fühlbar steigert. Da es sich um ein Noti handelt, ist das Risiko von Datenverlust bei Stromausfall praktisch nicht gegeben.
12. Testzeitraum automatisch auf 240 Tage verlängern
Standardmäßig kann man Windows Server 2008 60 Tage lang ohne Key installieren und nutzen, man kann das aber 3 mal verlängern. Hier ist in der KB von M$ beschrieben, wie es geht,es funktioniert aber nicht auf die Weise. So gehts wirklich:
Herausfinden, wielange man noch hat: “Ausführen –> slmgr.vbs -dli” zeigt einem minutengenau, wielange der Testzeitraum noch läuft. “Ausführen –> slmgr.vbs -rearm” setzt den Testzeitraum auf “frische” 60 Tage zurück. Leider kann man die Tage nicht “ansparen”, so dass ein stumpfes 3-maliges Zurücksetzen sinnfrei ist.
In meinem Fall habe ich das System am 28. März installiert, was einen Ablauf des 60-Tage Zeitraums am 27. Mai bedeutet.
Zuerst das XML File erstellen: Ich benutze diese Datei. Dann “Start –> Programme –> Aufgabenplanung” Dort “Aktion –> Aufgabe importieren” und den Pfad zur Datei angeben. Den Reiter “Trigger” auswählen, die Aufgabe auf “Einmal” setzen und ein sinnvolles Datum wählen.
13 Antivirusprogramm installieren
Meine Wahl ist traditionell das kostenlose Tool “Antivir Personal” von Avira, da es äußerst sparsam mit den Ressourcen umgeht und auch sonst nicht nervt. Es mag sich normalerweise nicht auf einem Server Betriebssystem installieren lassen. Es geht aber troztdem:
- einen neuen Benutzer erstellen – er braucht Adminrechte
- als dieser Benutzer einloggen
- “HKEY_LOCAL_MACHINE –> SYSTEM –> CurrentControlset –> Control” aufsuchen. Rechtsklick auf “ProductOptions” –> Berechtigungen” Dort den neuen Benutzer hinzufügen und ihm die Leserechte entziehen. Nicht den Sinn hinterfragen, einfach machen.
- Antivir ganz normal installieren.
- Nach nem Reboot kann man den Benutzer wieder entfernen.
Es geht _nicht_ mit der 9er Version, sondern nur mit Version 8.x! Version 9 lässt sich zwar installieren, der Dienst startet aber nicht (und existiert nicht einmal!).