Heute am Tag 1 nach dem Wacken Open Air Festival 2009 bin ich wieder in der Lage, etwas genauer zu berichten:
Mittwoch:
Mit 2 Kühlboxen, Rucksack und 3 Dachlatten ging es am Hennefer Bahnhof los. Sonne schien, ich hatte gute Laune und war mit T! um halb 11 in Köln verabredet. Dort saßen am Bahnhof bereits eine Menge Gleichgesinnter, sogar die Biermarke war die selbe, die wir tranken. Ein leckeres Lemon zum Frühstück, dann gings mit Export weiter.
Für die Intercity Fahrt zwischen Köln und Hamburg war eigentlich das erste 5l Partyfass Bitburger geplant, das ist uns aber leider direkt runtergefallen. Also mit der Hülse weiter. Alle Leute guckten wie eine Kuh, wenn es blitzt, weil ich 3 Holzlatten zu je 1,80 dabei hatte.
Die Fahrt verlief unspektakülär und 7 oder 8 Hülsen später kamen wir in Hamburg HBf an. Dort war unsere Bahn leider schon weg da der IC Verspätung hatte, aber wir nahmen dann den nächsten, der sogar ohne Zwischenhalt nach Itzehoe gefahren ist. Der Zug war knallevoll mit Metallern aus aller Herren Länder, wir haben uns im Wesentlichen mit Alexandra aus den USA und Damion, einem Franzosen unterhalten. Letzteren haben wir dann auch mit in unser Lager adoptiert.
In Itzehoe angekommen erwarteten wir die Wacken Shuttles, die uns zum Gelände bringen sollten. Natürlich waren wir nicht die einzigen mit diesem Anliegen und vertrieben uns die Wartezeit mit einer oder zwei leckeren Hülsen und Kuchen von Sue und Daniela.
Auf dem Gelände angekommen half uns der Rest beim Tragen, alle Zelte bis auf meins standen bereits. Mir wurde gesagt, es sei nicht vollständig und ohne die fehlenden Teile konnten sie es nicht aufbauen. Lektion Nr. 1: Ein Tunnelzelt hat eben nur 2 Standen, die parallele Halbkreise bilden, der Rest wird einfach nur abgespannt. Egal, ich hatte erst 10 oder 12 Hülsen intus, von daher ging das problemlos.
Wen ich ab da nicht mehr gesehen habe, war der T!, er sollte auch fürs erste verschollen bleiben. Da das nicht das erste Mal war, hat es niemanden wirklich beunruhigt. Der Abend klang dann mit Grillen und Hülsenvernichten aus.
Donnerstag:
Aufwachen, es ging erstaunlich gut. Der T! war nicht im Zelt. Da am Donnerstag erst abends Bands kamen, machten wir uns an den Kühlturm. P! und weitere tingelten über den Zeltplatz und suchten nach leeren 5l Partyfässern. Die Begeisterung für unseren Plan entsprach in etwa der Skepsis selbigem gegenüber. So ist der Plan, das Ganze funktionieren zu lassen:
Der Phasenübergang von flüssig zu gasförmig ist endotherm. Ein gasförmiges Wassermolekül ist energiereicher als ein flüssiges. Beim Verdunsten muss die Energie irgendwo herkommen und wird dem flüssigen Restwasser entzogen. Dadurch wird es kälter.
Man nehme eine Bütt, entkerne 5 Partyfässer und tape sie übereinander. Innen kommt eine alte, lange Bundeswehrunterhose rein, außen ein nasses Handtuch. Damit das Ganze hält kommen die 3 Holzlatten gleichmäßig drumrum – auch mit Panzertape. Die ganze Konstruktion wird nun mit Schnur und 3 Häringen abgespannt. Das Wasser wird über 3 Trichter an die Unterhose und das Handtuch geleitet und kann so den Turm runterlaufen. Dabei tropft es nass in die Bütt zurück und kühlt darin eingelegte Hülsen und Stubbis.
Problem: Wie steuert man den Wasserfluss so, dass erstens immer genug Wasser runter rinnt und verdunsten kann sowie zweiens bekommt man das System so langsam, dass man nicht ewig danebenstehen muss und nachfüllt.
Lösung: ein sechstes Fass, oben einfach den Stopfen raus und unten mit einem BW Härung 3 Löcher hinein. Mit je einem Tampon (kein Witz!) wurde das Wasser entsprechend eingebremst. Immer wenn man sich eine Hülse oder ein Stubbi nahm, einfach etwas nachfüllen und gut.
Das Resultat lag in einer Kühlleistung von geschätzt 5 bis 10 °C. So hatten wir auch in der Sonne immer prima kaltes Bier. Das System arbeitet völlig autonom und geräuschlos. Außerdem hat es einen irren Spaß gemacht, das ganze zu bauen. Mühselig war lediglich das Entkernen der Fässer, erst nach gut einer Stunde hatte ich raus, wie man die eigens zu diesem Zweck mitgeführte Puk-Säge nutzen muss. Aber im Enteffekt hat halt jeder mal eins gesägt und gut.
Nach etwa 2 Stunden lief das System zufriedenstellend und wir waren alle glücklich, dass es tatsächlich so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben.
- Running Wild
Oldschool Heavy Metal, geile Show, und: Das Abschiedskonzert. Running Wild haben sich nach Wacken aufgelöst, insofern fand ich es geil, sie nochmal sehen zu können.
Es war im Grunde die Mucke, die es schon vor 15 Jahren im guten alten Rockpalast gab und auch schon weitere 15 Jahre zuvor. Der Auftritt war super, leider kamen wir durch den Kühlturmbau erst spät und hatten keine so guten Plätze mehr bekommen.
Anschliessend hatte ich noch Lust auf Heaven & Hell, stand damit aber alleine da und weil ich nicht das gleiche Schicksal erleiden wollte wie der T! zuvor ging ich mit zurück zum Camp. Durch meinen zwar nicht exzessiven, aber dennoch sehr regelmäßgen Griff zur Hülse war meine Orientierung nämlich nicht mehr zum Besten bestellt und das Gelände ist erstens sehr groß und zweitens mussten wir ja leider sehr weit außen campieren. Den Abend also mit Grillen und Biertrinken zuende gebracht.
Freitag
Freitag wollte ich mal ordentlich Bands gucken. Es sollte mit Gamma Ray losgehen, aber da hatte keiner Lust zu. Ganz hoch gelobt wurden Walls of Jericho, also hin.
- Walls of Jericho
Ich hatte es befürchtet: Es war mir bei weitem zu hypfig. Da bin ich sehr empfindlich und fand das gar nicht schön. Auch diejenigen unter uns, die Walls of Jericho eigentlich mögen waren enttäuscht.
Auf der Party Stage nebenan lief irgendwas Gothic-artiges – also nix wie hin.
- Tristania
kannte ich vorher nicht, fand ich aber lustig. Gothic Kitsch vom feinsten, immerhin norwegisch. Musikalisch wirklich nix für “auf Dauer”, aber die Show hat mir Spaß gemacht und die Entscheidung, Walls of Jericho schnell wieder zu verlassen war gut.
Ein Blick in die Running Order zeigte, dass es bis Hammerfall noch ein Weilchen hin ist, aber immerhin kam auf der Party Stage danach direkt
- Dragonforce
Wenn es richtig billges, stumpfes Powermetal sein soll, dann ist Dragonforce prima. Genreuntypisch auch schonmal ein Blastpart zwischendrin, auf jeden Fall ordentliches Gefrickel auf den Gitarren und noch viel mehr rumgepose.
Genau die Einstimmung auf Hammerfall, die ich brauchte
- Hammerfall
bedarf keiner Erklärung, Powermetal, Posen vom feinsten, ordentlich Gefrickel, die üblichen literarischen Meisterwerke, was den Sinngehalt der Texte angeht. Schön bunt durchgemischt was die Alben angeht, leider haben sie “Crimson Thunder” nicht gespielt (das ist mit so richtig geil viel Pathos).
Wie erwartet ordentlich mitgrölen auf “Glory to the Brave” und sowas – Hammerfall haben Spaß gemacht. Sie haben ja ohnehin den Ruf, eine gute Live Performance hinzulegen und ich war mehr als Zufrieden, ich war sogar durstig.
Also zurück zu den Zelten, Grillen und zu einer kalten Hülse greifen. Und dann wieder grillen, ab und an die Klampfe raus, was spielen und wieder zur kalten Hülse greifen. Und immer so weiter. Aus der Ferne donnerten Motörhead, die ich auch gerne gesehen hätte, aber man muss da Prioritäten setzen.
- In Flames
In Flames alleine sind schon ein Grund, das WOA besucht zu haben. Perfekt abgemischt, geiler Mix durch die Alben, auch viel neues dabei.
Wie immer ordentlich Gewitter, harte, abwechslungsreiche Riffs – so wie man sich schönen Melodic Death Metal vorstellt. Wirklich gelungen.
Jösch meinte, er würde gerne mal Doro sehen und ergänzte, danach spielten zum Schluss Amon Amarth (Zitat: richtig fieses Gesäge), die mir auf jeden Fall gefallen würden. OK, zum Bands gucken fährt man ja wohl nach Wacken – also im Zweifel gucken statt gehen.
- Doro
Ich organisierte mir einen weiteren Maßkrug Bekks Bier, da ich Doro gegenüber weniger Enthusiasmus hatte. Aber wir waren leider nur noch zu zweit also blieb ich mal da und meine Erwartungshaltung bei mittlerweile richtig aufziehender Kälte wurde erfüllt, Doro waren bocklangweilig.
Ich bin zwischendrin im Stehen eingeschlafen (es war auch schon 01:00 Uhr oder so), frönte dem Suff und zählte die Minuten rückwärts. Irgendetwas sagte mir, gleich gibt’s was auf die Ohren…
- Amon Amath
02:00 Uhr morgends, klirrende Kälte. Auf der Blackstage wurde es blau beleuchtet und neblig. Irgendwann pathetisches Intro-Zeug, viel Bass und es kam ein Wikingerschiff. Dahinter zwei spartanische Palisadenwände, immer wieder Flammen. Ich war hellwach!
Was dann kam, war der Himmel. Musikalisch eine Wand nach der anderen, nicht prall abgemischt, aber ZU GEIL!!!
Irgendwann Leute in Wikingerrüstungen die mit Schwert und Schild kämpften, während wüstes Death Metal auf mich herniederschallte. Traumhaft – wirklich genial.
Amon Amarth waren ganz klar meine persönliche Nr. 1 auf diesem Wacken!
Samstag
Meine Euphorie hielt noch den nächsten Tag an und wir marschierten Mittags wieder zum Festivalgelände.
- Rage & Friends
Mein erstes Rage Konzert _ohne_ Orchester und ich war freudig gespannt. Schnell kam raus, dass beispielsweise Hansi Kirsch einer der “Friends” war. Rage mit zwei oder drei Liedern unterstützt durch die Blind Guardian Stimme hat schon Stil!
Hat sich _richtig_ gelohnt und wir sind das erste Mal zum Alkotest. Mit 1,35 war ich wirklich überrascht, war ich doch bereits seit 09:00 morgens oder so an der Hülse wieder nicht untätig. Andere hatten allerdings mehr als das doppelte…
Ein Kollege hatte uns knapp eine Paltteholländisches (und somit pfandfreies) Dosenbier im Metalmarket zwischengelagert und vorher gekühlt. Da sind wir in etwa 20 Minuten völlig durchgepflügt
Zurück an den Zelten haben wir etwas vollkommen neues ausprobiert:
Grillen und Biertrinken – zwischendurch die Akustikgitarre raus und ein paar Lieder singen. Wirklich Abwechlung! Nun nahm ich meine Brille ab, denn beim nächsten Auftritt wollte ich die auf keinen Fall mit haben.
- Heaven Shall Burn
Feinster Metalcore, mehr als ordentlich abgemischt und prima Wetter. Leider haben sie “Numbing the Pain” von der Antigone nicht gespielt, aber das war auch der einzige Wermutstropfen.
Erstmal ne Runde Circlepit gedreht, kleine spontane Wall of Death mitgenommen und auf “Black Tears” (einem wirklich gut gemachten Edge of Sanity Cover) ab nach vorne.
Gleiches bei der Zugabe und ich war völlig platt, zumal ich ohne Brille auch etwas eingeschränkt bin und da schnell Kopfschmerzen bekomme.
Der P! wollte unbedingt zu Machinehead, ich aber nicht. Dementsprechend legte ich mich hin mit dem Ziel, erstmal ne Stunde zu schlafen. Der T! lag auch herniederund glücklicherweise weckte mich der Schnigg, denn sonst hätte ich wirklich was verpasst!
- Machine Head
Prinzipiell ausgelassen, da es mir auch zu hypfig ist. Am Ende ihres Auftritts spielten sie HALO, was mir wieder ganz gut gefällt. Es wurde halt immer lauter, denn wir kamen ja den Bühnen wieder näher…
- Saxon
Schöner Oldschool Heavy Metal und ich freute mich auf viele Songs des neuen Albums. Die wurden auch gespielt und es war eine wirklich runde Show.
Abgesehen von Doro war es wohl die einzige Band die ich mir angesehen habe, die ohne DoubleBase Gewitter spielte, aber dennoch richtig Power drin hatte.
Müßig zu erwähnen – die Band ist 1976 gegründet…
- GWAR
Kein Tabu ausgelassen, Blut spritzt, Gedärme fliegen, Gwar freut sich. In anderen Ländern wären die längst eingewiesen, aber die Show war wie erwartet bemerkenswert.
Vor allem, wie die unter ihren Rüstungen überhaupt was sehen, geschweige denn ihre Instrumente beherrschen. irgendwie können die das aber trotzdem und es war herrlich anzusehen. Wie die es schaffen, sich so einen Unsinn auszudenken will ich nicht wissen
- Subway to Sally
Ich hatte erwartet, dass mir STS nicht so sehr zusagen werden, habe sie aber erstmal dennoch mitgenommen. Nach etwa einer halben Stunde bin ich dann wieder Richtung Zelte, bevor das Gedränge losgeht. Außerdem war ich so langsam _richtig_ voll (dachte ich).
Also bei den Promille-Test-Mädels nochmal gepustet. Nachdem es bei allen Versuchen, deren Allgemeinbildung zu Testen (nicht wahr, P!) immer zu einfach war, klappte es bei mir auch wieder. Eine bestimmte Person aus den 40er Jahren hatte dann allerdings nur 1,19, was ich ehrlichgesagt unrealistisch fand. Schon die 1,35 am Mittag fand ich zu wenig. Immerhin hatte ich während Saxon, Gwar und der ersten halben Stunde STS 3 Maß verknuspert und war auch sonst den ganzen Tag nicht untätig.
Sonntag
Wider Erwarten konnte ich aufstehen und Zelt abbauen und so. Respekt vor der Orga – schon nach 20 Minuten saßen wir in einem Shuttle nach Itzehoe.
Mit dem Zug nach Hamburg gab es zur Abwechslung ein wenig Jacky-Cola. Dort hatten der T! und ich etwa 3 Stunden Aufenthalt, bis unser IC fuhr, in dem wir reservierte Plätze (und viel schlimmer) Zugbindung hatten.
Also ab in Richtung Reeperbahn, was aber recht langweilig war. Wir hatten die große Meile erwartet, aber das war unterm Strich zu wenig, diesen Ruf zu rechtfertigen.
Also bisschen was gefuttert und zurück. Im Intercity angekommen haben wir aufs Grillen verzichtet, sind ansonsten aber wieder zur Tagesordnung zurückgekehrt. Ich war dabei nicht ganz so fleißig, wie der T! nach Hause gekommen ist (wir haben uns in Köln getrennt), will ich gar nicht wissen